Schluss mit der agilen Arroganz!

Eine überaus spannende Diskussion ergab sich beim letzten „Open Space Scrum“-Meetup bei MaibornWolff in München. Eine Teilnehmerin berichtete davon, dass es in ihrem Unternehmen erfreulicherweise mehrere selbstorganisierte Teams gäbe.

Allerdings berichtete sie beispielhaft von Unterhaltungen mit Managern, die ungefähr so ablaufen:

Manager: „Wer führt denn das Team?“
Scrum Master: „Niemand, denn das Team ist selbstorganisiert.“
Manager: „Aber es muss doch jemand den Hut aufhaben. Sind sie das?“
Scrum Master: „Nein, wie gesagt: das Team ist selbstorganisiert.“
Manager: „Ok, also dann mache ich das eben.“
(Gelächter im Plenum).

Ein anderer Manager forderte offenbar vehement einheitliche Prozesse, die für alle Teams gelten sollten. Seiner Erfahrung nach könne man sonst nicht erfolgreich zusammenarbeiten.

Es dauerte nicht lange, bis das Manager-Bashing à la „Die verstehen mal wieder Scrum nicht“ losging. Ich muss gestehen, das war auch mein erster Gedanke, aber die Diskussion nahm eine überraschende Wendung.

Um es abzukürzen: Die Ratschläge für die Teilnehmerin waren:

  • Steigere die firmeninterne Kommunikation und Transparenz!
  • Lade (zweifelnde) Manager ein, am Scrum-Alltag teilzunehmen und zeige die Funktionsweise und die Vorteile der Selbstorganisation auf.
  • Kläre die Historie der Scrum-Einführung: Wie kann es sein, dass es auf der einen Seite funktionierende, selbstorganisierte Teams bereits gibt, auf der anderen Seite Manager dieses Prinzip offensichtlich nicht verstehen oder nicht mittragen? Wurden sie nicht rechtzeitig eingebunden? Wieso wurden ihre Zweifel nicht schon vorab ausgeräumt?
  • Finde heraus, was die selbstorganisierten Teams von erfahrenen Managern lernen können bzw. wie deren Fähigkeiten und Erfahrungen gewinnbringend eingesetzt werden können.
  • Erkläre Scrum! Scrum definiert einen klar definierten Rahmen mit klar definierten Rollen und schafft eben alles andere als das vielleicht von manchem Manager befürchtete Chaos. Es gibt auch kein Machtvakuum, wenn die Rollen zwischen Entwickler, Product Owner und Scrum Master konsequent gelebt werden.

Eine wichtige Erkenntnis nehme ich aus dieser Session mit: Es muss Schluss sein mit dieser Arroganz des vermeintlich Erleuchteten. Wenn ich glaube, Scrum oder Agile Methoden besser verstanden zu haben als Andere, sollte ich auch in der Lage sein, die Vorteile zu verargumentieren und meinen Mitmenschen nahezubringen, um Offenheit oder zumindest weiteres Interesse zu erzeugen.

Ich selbst habe mir mein Scrum-Wissen und meine Überzeugung auch nicht von irgendeinem „Missionar“ aufschwatzen lassen, sondern während eines langen Zeitraumes durch viele Erfahrungen in vielen Projekten gesammelt.

Wie könnte ich also von anderen erwarten, nach einem Gespräch mit mir ein Scrum-Jünger zu sein? Manager sind schließlich auch nur Menschen…